Vom Trost der Ungewissheit

UngewissheitIch sitze am Schreibtisch und vergleiche Papiermuster für die Einladungen. Neben mir der vollgestopfte Terminkalender und eine Vase Schnittblumen. Die Waschmaschine rumpelt in der Küche, der Donner hallt von den Bergen wider und lässt uns mal wieder all seinen Zorn spüren. Laut und deutlich. Aber nicht hier drinnen. Hier ist es still. Da, wo ich gerade Hochzeitsvorbereitungen treffe. „Wie alt bist du denn?“ – fragen flüchtige Bekannte hin und wieder ganz verblüfft, wenn sie von der bevorstehenden Hochzeit erfahren. „Ich bin verliebt“ – würde ich ihnen die meiste Zeit am liebsten entgegnen.

Ich lege die Papiermuster beiseite und werfe einen Blick auf die viel zu lange To-do-Liste, als sich der stechende Kopfschmerz wieder bemerkbar macht. Du solltest kürzer treten, sagt mir mein besorgtes Unterbewusstsein.

Aber ich kann nicht.

Ich bin voller Tatendrang. Ich brauche den Stress, die Hektik und die Beschäftigung und verzweifle irgendwie zugleich an ihr. Ein Semester dranhängen? Kommt gar nicht in die Tüte. Lieber ackere ich den Sommer durch, schreibe im Akkord fünf Hausarbeiten und ab Herbst endlich die Masterarbeit. Nehme mir bewusst nicht die Zeit, die ich brauche und gönne mir bewusst nicht die Pausen, nach denen mein Körper sich sehnt.

Seit einer Weile schon habe ich nämlich das Gefühl, dass sich etwas verändern wird. Dass etwas Neues, Aufregendes bevorsteht. Etwas, worauf es sich vorzubereiten gilt. Wofür die lange Liste abgearbeitet werden muss und wofür ich ein paar Monate die Zähne zusammenbeißen muss. Etwas, wonach wir uns schon so lange sehnen.

Ein Tapetenwechsel. Ein Abenteuer. Ungewissheit. Vorfreude. So viel Vorfreude, dass ich all den Alltagsstress vergesse. Was dieses Abenteuer genau ist, weiß ich noch nicht einmal. Vielleicht die Ehe, die Berufstätigkeit, eine Reise oder gar mehr.

Ungewissheit ist aufregend und beängstigend zugleich. Trost und Qual. Und meist ist es an uns zu entscheiden, ob uns der Zustand des Nicht-Wissens auffrisst, oder ob uns die Vorfreude auf das Unbekannte antreibt.

Ich bin ein Planer, ein leidenschaftlicher Listen-Schreiber und mag Ungewissheit in etwa genauso sehr wie Kopfschmerzen. Und dennoch habe ich das Gefühl, ihr dieses Mal vertrauen zu müssen, ganz nach dem Motto „es wird schon alles gut gehen“.

Und so sitze ich hier, mit meinen Kopfschmerzen, hoffe auf den Trost der Ungewissheit und versuche mir einzugestehen, dass ich eigentlich sowieso keine andere Wahl hab.

Ungewissheit

I’m sitting at the dining table, comparing paper samples. Next to me my filled calendar and a vase of freshly cut flowers. The washing machine is rumbling in the kitchen, the thunder is echoing from the mountains and lets us feel all its anger. Loud and clear. But not inside. In here it’s quiet. Here, where I’m preparing my wedding. „How old are you?“ people often ask when they hear about the upcoming wedding. “I’m in love” – I wanna respond most of the times.

I put the samples aside and take a peek at the almost endless to-do list when I feel that stabbing headache again. You should slow down a bit, I can hear my worried subconsciousness.

But I can’t.

I’m restless. Full of beans. I need the stress, the hectic and all the work and can’t bear it at the same time. Spend a semester longer? Hell no. I’d rather work all summer, write five term papers in 8 weeks and start my Master’s thesis in fall. I’m deliberately not taking the time that I need and deliberately not granting my body the rest that it longs.

For a while now I’ve been having this feeling that something is about to change. That something new, something exciting is about to happen. Something that needs preparation. For which the long list has to be worked off and for which I have to sit tight a few months. Something we’ve been longing for for a while now.

A change of scenery. An adventure. Uncertainty. Anticipation. So much joyful anticipation that I forget about all my stress. I don’t even know what this adventure will be. Marriage maybe, a career, travels or even more.

Uncertainty is exciting and frightening at once. Comfort and torture. And it is up to us to decide if this state of not knowing what’s going to happen eats us up or if the anticipation of the unknown is pushing us forward.

I’m a planner, a passionate list-writer and I like uncertainty just as much as I like headaches. But this time I feel like I have to trust it, trust that everything is going to be okay.

And so I’m sitting here with my headache, hoping for the comfort of uncertainty and trying to admit to myself that I actually don’t have another choice.

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