New England Roadtrip – Mit dem Auto durch den Nordosten der USA

New England Roadtrip

Diesen Sommer haben wir uns einen kleinen Traum erfüllt. Seit Jahren wollten wir nach dem Westen, Südwesten und Süden endlich auch einmal den Nordosten der USA erkunden. Ein New England Roadtrip stand schon lange auf unserer Wunschliste – nicht zuletzt wegen des atemberaubenden Indian Summers in dieser Gegend. Für den waren wir zwar noch knapp zwei Wochen zu früh dran und dennoch waren wir so überwältigt von der wunderschönen Landschaft, dass wir jedem empfehlen würden, diese Ecke des Landes einmal zu besuchen – ganz egal ob im Hochsommer, Herbst oder Winter zum Ski fahren.

Zeit, Kosten und Anreise

Sieben Staaten in 18 Tagen. Das klingt zuerst einmal ziemlich sportlich. Wenn man jedoch bedenkt, wie viele – sehr kleine – Staaten es im Nordosten der USA auf engstem Raum gibt, dann ist das plötzlich gar nicht mehr so viel. Wer einen Roadtrip durch die Neuengland-Staaten in den USA plant, der beginnt seine Reise normalerweise in Boston, weil man von hier aus alles Sehenswerte optimal erreicht. Da wir aber unbedingt noch einmal New York im Sommer erleben wollten, stand für uns fest, dass wir unseren Urlaub in New York beginnen. Die restliche Route ergab sich dann nach intensiver Recherche und so waren unsere Reiseziele für die anschließenden zwei Wochen Cape Cod, Boston, der Acadia Nationalpark, die White Mountains, die Green Mountains und noch einmal New York.

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Für unsere Roadtrips hatten wir bisher immer ein recht strammes Programm. Für eine solche Reise würde ich euch wahrscheinlich mindestens 3 Wochen empfehlen. Es geht aber auch in 18 Tagen, allerdings kann man sich dann an den jeweiligen Orten nicht allzu lange aufhalten.

Was die Kosten anbetrifft:

Der Nordosten der USA ist vor allem unterkunftstechnisch wahnsinnig teuer. Wenn es das Wetter zulässt, wäre Campen hier – zumindest zeitweise – definitiv eine Überlegung wert. Besonders an der Küste und in den National Forests gibt es wahnsinnig schöne Campingplätze, die um einiges günstiger sind als Motels oder Hotels in der Umgebung. Generell ist September/Oktober hier Hauptreisezeit, sodass die Unterkünfte und Autovermietungshändler gerne noch einmal 20-30 Prozent aufschlagen. Wir haben versucht nicht mehr als 100€ die Nacht zu bezahlen, was für New York und Boston schon eine ziemliche Herausforderung ist. Dort kostet eine Nacht zu dieser Zeit in einem durchschnittlichen Hotel nämlich bis zu 250€. Mit den Flügen hatten wir dafür ziemliches Glück, da wir pro Person nicht einmal 500€ bezahlt haben – mit einer der Gründe, weshalb unsere Rundreise schon in New York begann.

Flüge: Hin- und Rückflug von FRA nach NYC: 450€ p.P.
Unterkunft für 18 Tage: ca. 2.000€
Autovermietung: Economy inkl. Vollkasko für 14 Tage: 500€
Verpflegung für 18 Tage: ca. 1.200€

Unterm Strich kostet eine solche Rundreise also fast 2.500€ pro Kopf. Wer Kosten einsparen will, sollte versuchen, auf die Nebensaison auszuweichen oder wie wir auf unserer Rundreise durch den Südwesten der USA eine Zeltausrüstung mitzunehmen bzw. vor Ort zu kaufen. Damals haben wir so einiges an Übernachtungskosten sparen können. Ein weiterer Tipp, von dem wir so ziemlich jeden Urlaub Gebrauch machen, ist Müsli, Milch und Pappschüsseln im Supermarkt zu kaufen und alle paar Tage unterwegs oder auf dem Hotelzimmer zu frühstücken. Bedenkt bei eurer Kostenplanung unbedingt auch, dass ihr für einige Nationalpark Passes zwischen 5 und 30 Dollar benötigt und auf einigen Strecken Mautgebühren zahlt.

New York, New York

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Das Schönste, wenn man einen Ort zum zweiten (oder dritten) Mal besucht, ist meiner Meinung nach, dass alles viel entspannter ist. Ich würde jedem empfehlen, seine Lieblingsorte mindestens einmal wieder zu besuchen und sie einfach nur zu genießen, ohne strengen Sightseeing-Plan und vollgestopfte Touri-Spots. Die ersten vier Tage in New York haben wir in erster Linie also damit verbracht, durch New York zu spazieren, in Parks zu relaxen und jede Menge zu essen (hier geht’s zu meinem NYC Food Guide!).

Wer New York außerdem auch mal abseits von Manhattan erleben will, sollte sich unbedingt Brooklyn anschauen. Wir hatten ein Airbnb-Zimmer in den Brookyln Heights gebucht, das leider ein ziemliches Dreckloch, von der Lage her aber kaum zu übertreffen war. So konnten wir jeden Morgen und Abend durch den Brooklyn Bridge Park spazieren, von dem aus man den atemberaubendsten Ausblick auf die Skyline hat. Brooklyn selbst ist wegen seiner Architektur für mich New York pur. Die vielen Backsteinhäuser mit den typischen New Yorker Treppenaufgängen sehen aus wie aus jedem zweiten NYC-Film. Generell ist Brooklyn so entspannt und ruhig, dass man sich eher fühlt wie in einem kleinen Vorort, als in einem Stadtteil New Yorks. Neben den Heights sind auch Williamsburg und Bushwick, die Hipster-Viertel New Yorks, definitiv einen Besuch wert.

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Cape Cod, Massachusetts

Nachdem wir die erste Woche also noch einmal New York pur erleben konnten, ging es für uns anschließend per Mietwagen nach Cape Cod – welchem man nachsagt, das Sylt der US-Ostküste zu sein. Cape Cod selbst ist eine kleine Inselzunge südlich von Boston mit wunderschönen Sandstränden und einem von Leuchttürmen übersäten National Seashore. Da ich in meinem Erwachsenenalter noch nie an der Ost- oder Nordsee war, kann ich schlecht sagen, ob eine Ähnlichkeit tatsächlich besteht. Es war jedenfalls traumhaft, die hohen Sanddünen, süßen Holzhüttchen und vielen Leuchttürme haben es mir wirklich angetan. Provincetown, am nördlichsten Zipfel Cape Cods, ist übrigens eine Homosexuellen-Hochburg. Die Atmosphäre dort lässt sich schwer beschreiben, aber es ist einfach unglaublich bunt und fröhlich in dem kleinen Dorf!

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Boston, Massachusetts

Nach zwei Nächten auf Cape Cod ging es für uns weiter nach Boston, wo wir eine Nacht in einem ziemlich teuren, aber mega zentralen Hotel, dem Boston Park Plaza, direkt am Boston Common verbrachten. Boston ist wie New York in der Hochsaison wahnsinnig teuer. Da wir aber nur eine Nacht dort waren, wollten wir keine Zeit für lange Anfahrtsstrecken verlieren. Boston ist eine wunderschöne Stadt, der man den englischen Einschlag deutlich ansieht. Generell habe ich in den USA selten so viele schöne Bauten und vor allem Kirchen gesehen, wie in den Neuengland-Staaten. Nachdem wir den Freedom-Trail entlangspaziert waren (absolutes Muss!), machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Cambridge, um ein bisschen Harvard-Luft zu schnuppern. Der Campus ist wirklich beeindruckend und doch ganz anders, als man ihn sich vorstellt (Yale in New Haven hat uns da noch um einiges besser gefallen!).

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Kennebunkport, Maine

Nach unserem kurzen City-Stopp in Boston ging es nun wieder ab in die Natur. Wir fuhren in Richtung Norden nach Maine, legten ein paar Zwischenstopps in Kennebunkport – der Ferienresidenz der Bushs – und Camden ein und übernachteten in der wohl süßesten Unterkunft aller Zeiten (ein separater Hotel Review folgt!). Im Lincolnville Motel wären wir gerne etwas länger geblieben, am Tag drauf ging es aber schon weiter in den Acadia Nationalpark. Die Strecke an der felsigen Ostküste entlang solltet ihr übrigens auf jeden Fall großzügig und mit vielen Zwischenstopps einplanen – es ist traumhaft schön, sogar oder gerade bei diesigem Nebelwetter!

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Acadia Nationalpark, Maine

Der Acadia Nationalpark ist der einzige Nationalpark im Nordosten der USA. Maine ist der nordöstlichste Staat der USA und bekannt für seine Hummer-Fischerei und seinen Blaubeeranbau. Der einzige etwas größere Ort auf Mt. Desert Island, wo sich der Acadia befindet, ist Bar Harbor – ein kleines Fischerdorf mit jeder Menge guter Restaurants (hier haben wir auch zum ersten mal Hummer probiert!). Den Park selbst kann man praktischerweise auf einer einspurigen Loop Road erkunden, von der immer wieder kleine Aussichtspunkte und Wanderwege abzweigen. Der höchste Berg der Insel ist der Cadillac Mountain, von dem aus man den “ersten” Sonnenaufgang in den USA beobachten kann (aber Achtung, frühzeitig dort sein, zum Sonnenaufgang ist es wahnsinnig voll und man findet kaum einen Parkplatz!).

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White Mountains, New Hampshire

Anschließend ging es für uns weiter in den White Mountains National Forest. Ein wunderschöner Gebirgszug in New Hampshire. Durch die Mountains führt der Kancamagus Highway, der euch an die schönsten Aussichtspunkte, Wanderwege und Flusszugänge bringt. Neben wunderschönen Wasserfällen und Gorges kann man hier mit etwas Glück auch einen Elch erspähen. In der direkten Umgebung befindet sich außerdem der Franconia Notch State Park, der mindestens genauso schön ist. Unbedingt die Flume Gorge anschauen!

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Für alle Lebensmüden gibt es auch die Möglichkeit den Mount Washington – mit knapp 2000 Metern der höchste Berg des Nordostens der USA – zu besteigen. Zur Wahl steht (neben einer Wanderung) eine Zugfahrt (die mit 69 Dollar pro Person ziemlich teuer ist) oder die Fahrt mit dem eigenen bzw. Mietauto (für insgesamt 38 Dollar deutlich günstiger). Benni wollte unbedingt selbst fahren, was mir anfangs etwas Angst machte, als ich las, dass die Strecke teilweise nur geschottert ist und es auf dem ganzen Weg keine Leitplanken gibt. Es war tatsächlich auch etwas beängstigend und ich habe mich gedanklich mehrmals von meinen Liebsten verabschiedet. Mit Windgeschwindigkeiten in Orkanstärke und bitterkalten Minusgraden ist die Gipfelerkundung nicht ganz so gemütlich. Die Fahrt lohnt sich aber wirklich! Für diejenigen, die sich dennoch nicht zutrauen, selbst zu fahren, gibt es auch Guided Tours in einem kleinen Bus.

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Übrigens, ein kleiner Tipp für alle Shoppingbegeisterten unter euch: New Hampshire ist einer von wenigen Staaten, in denen ihr steuerfrei einkaufen könnt. Ganz praktisch gelegen kommt da, dass es in North Conway eine große Outlet Mall gibt. 😉

Green Mountains, Vermont

Da unsere Planung für die letzte Urlaubswoche außer noch einmal zwei Tage in New York zu verbringen nicht viel vorsah, beschlossen wir spontan, auf dem Rückweg nach New York durch die Green Mountains zu fahren. Einer der Gründe war mit Sicherheit die Ben & Jerry’s Factory, die ganz zufällig genau auf dem Weg lag. Insgeheim erhofften wir uns aber, hier vielleicht doch nochmal etwas mehr Indian Summer erleben zu dürfen. Die Green Mountains selbst erinnern im Sommer stark an deutsche Wälder. Im Spätsommer und Herbst erblühen die Bäume aber in den wunderschönsten Farben. Ansonsten hat Vermont – außer jeder Menge leckerer Ahorn-Produkte – nicht allzu viel zu bieten. Burlington ist mit rund 42.500 Einwohnern die größte und einzige Universitätsstadt des US-Bundesstaats. Sie liegt direkt am Lake Champlain und befindet sich nur 150km südlich von Montréal. In den vielen kleinen Dörfern in und um den Green Mountains National Forest ist es ziemlich ruhig und entspannt.

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Mein Fazit

Wer sich nicht so recht entscheiden kann und ein bisschen was von allem möchte, für den ist ein solcher New England Roadtrip genau das richtige. Stadt, Natur, Meer, Berge – es ist wirklich von allem etwas dabei. Die Neuengland-Staaten sind eine wunderschöne Ecke, die so ganz anders ist als alles andere in den USA. Der europäische Einfluss lässt sich nicht nur in der Bauweise wiederfinden, sondern teilweise auch in der Lebensweise der Menschen. Wer viel und gerne grün mag, der kann einen solchen Roadtrip zu jeder Jahreszeit machen. Für den Indian Summer kann man Ende September schon etwas Glück haben, generell eignet sich Oktober dafür allerdings besser. Wir haben nicht viel erwartet, da wir wussten, dass die Blätterverfärbung Ende September erst anfängt. Im Acadia Nationalpark war deshalb alles noch sehr grün. Zu unserem Glück hatten wir anschließend jedoch einen ziemlich starken Temperatursturz, sodass wir in den White und Green Mountains noch ein bisschen den beginnenden Indian Summer genießen konnten.

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7 Comments

    • Sarah
      October 26, 2016 / 6:43 am

      Oh danke Luisa, es freut mich, dass er dir gefällt! 🙂

  1. christina czok
    October 28, 2016 / 10:29 am

    war ganz enttäuscht, als der Bericht zu Ende war. Super schöne Fotos und toller Bericht!

    • Sarah
      December 17, 2016 / 3:55 pm

      Oh danke!!! :*

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