Meine Gedanken zur US Election 2016

US-Election 2016Als wir gestern ins Bett gingen, während in den USA die Wahllokale überliefen und Menschen stundenlang anstanden, um ihre Stimme abzugeben, war ich noch zuversichtlich. „Es wird vielleicht knapp, aber Clinton wird trotzdem gewinnen, so blöd sind die nicht“, war ich der festen Überzeugung. Die Besorgnis meiner Mutter, Trump könnte womöglich am Ende doch gewinnen, tat ich immer ab. So ein Quatsch. Dass die Möglichkeit all die Monate bestand, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte, war mir durchaus bewusst. Oder auch nicht. Zumindest wollte ich es nie wahrhaben. Ich habe die US-Wahlen schon immer verfolgt. Damals 2009 im Englisch-LK mehr oder minder gezwungenermaßen, jetzt freiwillig. Weil mir die USA am Herzen liegen. Weil Obama meiner Meinung nach das Beste ist, was den USA je passiert ist. Und weil ich mich um die Welt sorge.

Nachdem die diesjährigen Kandidaten feststanden, war wohl jedem schnell klar, dass es um eine Wahl um das kleinere Übel gehen würde. Trump hat von Anfang an niemand wirklich ernst genommen. „Lass ihn ruhig sein Ego aufbauen, wenn ihn das glücklich macht, am Ende wird die Vernunft der Amerikaner schon siegen“. Jetzt ist das Unmögliche aber doch eingetroffen. Die USA haben einen egoistischen, frauenverachtenden, rassistischen und homophoben Selbstdarsteller ins Weiße Haus gewählt. Weil sie Veränderung wollten. Weil sie ihre Unzufriedenheit nicht anders auszudrücken wussten. Weil sie uninformiert und starrköpfig davon ausgehen, dass das stupide Gerede eines stinkreichen Egomanen der Wirklichkeit entspricht. Dass nur er ihr Land wieder great machen kann. Bullshit. Zu viele Menschen (mich eingeschlossen) wissen zu wenig über Politik. Trump ist einer davon. Und zu viele Amerikaner ließen sich von seinem Gesäusel und den utopischen Vorstellungen für die USA um den Finger wickeln. Herzlichen Glückwünsch. Was wird nur passieren, wenn sie feststellen, dass doch nicht alles so funktioniert, wie Mr. Trump sich das vorstellt? Die gestrigen Wahlen haben einmal mehr gezeigt, dass im amerikanischen Wahlkampf Marketingstrategien und Persönlichkeiten wichtiger sind als Inhalte.

Mir fällt es heute schwerer denn je, meine Euphorie und Liebe für dieses Land zu rechtfertigen. Die Amerikaner haben ihr Land und unsere Welt ins letzte Jahrhundert zurückkatapultiert und sind sich des Ausmaßes ihrer Entscheidung wahrscheinlich noch nicht einmal bewusst. Ich bin wütend. Enttäuscht. Schockiert. Traurig. Besorgt. Nach Brexit dachte keiner, dass es noch schlimmer kommen könnte. Die USA haben uns heute gezeigt, dass unsere Welt nichts aus der Vergangenheit gelernt hat.

Heute sind wir es, die fassungslos auf die USA schauen. Einer unsicheren und besorgniserregenden Zukunft entgegenblicken und insgeheim hoffen, dass es doch nicht so schlimm wird, wie befürchtet. Dass Trump sich spätestens jetzt mit den Problemen unserer Welt auseinandersetzt. Dass er Rat bei erfahrenen Politkern einholt. Nicht durch seine neue Position versucht, sein Ego weiter aufzubauen. Dass er nicht alles wieder niederreißt, was in den letzten Jahren aufgebaut wurde und sein unternehmerisches Wissen vielleicht doch nutzt, um Amerika voranzutreiben.

Heute ist es leicht, mit dem Finger auf die USA zu zeigen, die Wahlen zu verspotten und hämisch über die Unvernunft und Dummheit der Amerikaner zu lachen. Aber auch in Deutschland wird es wieder Wahlen geben. Auch bei uns gibt es einen besorgniserregend großen Anteil an Menschen, die anders denken. Die gegen Demokratie, gegen Weltoffenheit sind. Die gestern Trump gewählt hätten.

In den letzten Landtagswahlen erzielte die AfD erschreckend hohe Ergebnisse. Großbritannien verlässt die EU. Die Türkei ist kurz davor, die Todesstrafe wieder einzuführen. Die ganze Welt bewegt sich rückwärts, von Progress und Einheit sind wir so weit entfernt wie nie zuvor. Wir müssen anfangen, aus unseren Fehlern zu lernen. Wir müssen aus den Fehlern Großbritanniens, der USA und unserer eigenen Geschichte lernen. Gemeinsam, ohne wall, ohne Fremdenhass und vor allem ohne Panik. Wir müssen jetzt mehr denn je versuchen, die Menschen zusammenzubringen. Keinen noch tieferen Keil zwischen die Gesellschaft treiben. Die Amerikaner haben gewählt. Frei und demokratisch. Wir müssen die Entscheidung akzeptieren und versuchen, das Beste daraus zu machen.

US Election 2016

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