Brautkleid Anprobe: Die Sache mit dem Traumkleid

Neben dem schönsten Tag eines jeden Mädchens gehört die Brautkleid Anprobe definitiv zu den weiteren Top 3. Eigentlich. Für die meisten wahrscheinlich sogar. Nur nicht für mich. Und eine Mitschuld daran tragen unter anderem diese „meisten“.

Noch vor einem Jahr schwor ich mir, in Sachen Hochzeit alles ruhig angehen zu lassen. Das hatte eigentlich auch relativ gut funktioniert – bis zum Tag meiner ersten Brautkleid Anprobe. Ihr müsst wissen, ich bin kein besonders entscheidungsfreudiger Mensch und zweifle zudem ständig an jeder noch so kleinen Entscheidung. Meine Schwester meinte schon vor unserem Termin, dass man mich zu meinem Glück öfter mal zwingen muss. Weshalb ich mich voll und ganz auf meine Berater verließ und mir diesen ganz besonderen Termin selbst ein bisschen versaute.

Ich hatte bewusst nicht allzu viel recherchiert, weil ich Angst hatte, mich in ein Kleid zu verlieben, das es so nicht gab bzw. ich so nie finden würde. Ich stöberte etwas auf Pinterest und Instagram, damit ich zumindest einen etwaigen Stil vor Augen hatte, der mir gefiel. Kurz vor der Anprobe klickte ich mich außerdem nochmal durch die Website der Boutique, in der ich einen Termin vereinbart hatte und speicherte ein paar Kleider ab, die ich gerne anprobieren wollte. Das würde ich übrigens jedem von euch empfehlen. Inspiration aus dem Internet ist schön und gut, bringt euch aber nichts, wenn es in eurem Brautladen nichts Vergleichbares gibt.

Als der Tag endlich gekommen war (Freitag der 13., nur mal so ganz nebenbei), konnte ich kaum schlafen und bekam morgens keinen Bissen runter. Ich will ehrlich gesagt nicht wissen, wie das vor der eigentlichen Hochzeit wird (Nachtrag: am Morgen der Hochzeit war ich überraschenderweise mega relaxed und kein bisschen aufgeregt, allerdings habe ich auch die Nacht davor nicht allzu viel geschlafen).

Wenn wir mal ehrlich sind, steht und fällt die Hochzeit (zumindest aus weiblicher Sicht) mit dem Kleid der Braut, weshalb ein bisschen Nervosität wahrscheinlich normal ist. Was nicht normal ist, ist der unsagbare Druck, den ich an diesem Tag verspürte. Aber dazu später mehr.

Schon bei der Wahl des Brautgeschäfts habe ich darauf geachtet, dass es zu mir und meinem Stil passte. Ich bin keine Prinzessin (in mancherlei Hinsicht vielleicht schon, aber nicht wenn es um Brautkleider geht) und wollte deshalb auf keinen Fall aussehen, wie ein Sahnebaiser. Kein Glitzer, kein ausladender Rock und schon gar kein trägerloses Kleid. Nachdem all die „Nichts“ kommuniziert waren, begab ich mich mit der netten und kompetenten Beraterin auf die Suche nach ein paar Kleidern, die ich anprobieren sollte. Schon beim Betreten der „heiligen Hallen“ überwog ein Gefühl: absolute Überforderung. Zwischen all dem Weiß, Tüll und der vielen Spitze wurde es mir fast schwindelig, weil ich am liebsten binnen weniger Sekunden jedes einzelne Kleid gescannt hätte.

Ein bisschen hab ich den Tag auch wie in Trance erlebt, weil ich mich so gar nicht mehr daran erinnern kann, wie viele Kleider ich überhaupt gesehen, abgelehnt und schlussendlich anprobiert habe.

Also habe ich mir diverse Kleider zeigen lassen und kaum einen Blick nach links und rechts gewagt. Am Ende landeten etwa 7-8 Kleider in der engeren Auswahl. Wie viele es genau waren, weiß ich nicht mehr. Wie schon gesagt sind mir einige Details verloren gegangen.

Als wir das erste Kleid anhatten, konnte ich zum ersten Mal ein bisschen durchatmen. Die Erleichterung währte aber nur kurz: Beim Blick in den Spiegel konnte mich keines der Kleider so richtig umhauen. Wobei es generell schwierig ist, in Brautstimmung zu kommen, wenn man so ganz auf Makeup verzichten soll beim Termin. Viele der Kleider waren schön, teilweise aber einfach nicht Braut genug oder in irgendeiner Weise nicht so 100% ich.

Als ich „das Eine“ anzog, fühlte ich mich zwar wunderschön und konnte mir tatsächlich vorstellen, Benni in diesem Kleid gegenüberzustehen, von Liebe auf den ersten Blick war alleridngs trotzdem nicht zu sprechen. „Du bist einfach immer so selbstkritisch“ – hat meine Mama mich immer wieder versucht aufzubauen. „Das ist es!“ – stimmten meine Begleiter alle überein, als ich um die Ecke schritt. „Okay, dann ist es das wohl“, dachte ich mir. Das Kleid war wunderschön – keine Frage – und hatte all das, was ich mir ursprünglich gewünscht hatte. Klick gemacht hat es trotzdem nicht. Zumindest nicht so, wie ich es erwartet hatte.

Ich habe mich trotzdem für das Kleid entschieden – ob nun aus Verzweiflung, Überforderung oder Überzeugung – und es bis heute nicht bereut. Ob ich mir rückblickend etwas mehr Zeit gegeben hätte, eine Nacht über meine Entscheidung zu schlafen und möglicherweise noch ein paar mehr Anproben zu machen? Ja! Unbedingt. Wahrscheinlich wäre es dennoch bei diesem Kleid geblieben, aber ein bisschen mehr Bedenkzeit hätte trotzdem nicht geschadet. Meine Verunsicherung war jedoch vor allem dem weit verbreiteten Irrglauben geschuldet, dass es nur das Eine geben kann und ihr eine magische Verbindung spürt, wenn ihr darin steckt. Und weil uns jeder immer wieder sagt, dass man einfach spürt, wenn es DAS Kleid ist, habe ich verzweifelt auf diesen Moment gewartet. Vergeblich. Ich habe mich selbst so unter Druck gesetzt, dass ich nach unserem Termin (und dem Kauf meines Kleides) völlig fertig war.

Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass man sich in mehr als nur ein Kleid verlieben kann und nicht zwingend in Tränen ausbrechen muss, wenn man das Richtige gefunden hat. Ich hätte wahrscheinlich fünf Kleider in den verschiedensten Schnitten und Stilrichtungen kaufen können und mich in jedem wunderschön und pudelwohl gefühlt. Das heißt nicht, dass mein Kleid nicht das Richtige war – es war nur vielleicht einfach eines von vielen Richtigen. Viele Bräute werden mir jetzt wahrscheinlich vehement widersprechen und das ist auch ihr gutes Recht. Ich will keinem seinen WOW-Moment schlechtreden. Ich will nur klar machen, dass es nicht schlimm ist, wenn ihr ihn nicht habt.

Macht euch also nicht verrückt, falls kein Engelschor singt, wenn ihr in einem Kleid steckt, das euch wahnsinnig gut gefällt. Nehmt euch unbedingt genug Zeit für eure Entscheidung, wartet aber nicht verzweifelt auf „dieses eine Gefühl“. Vielleicht seid ihr – wie ich – einfach nicht der Typ dafür und das ist auch ok. Meine Beraterin offenbarte mir auf meine verzweifelte Frage hin, ob das denn normal sei, dass ich nicht in Freudentränen ausbreche, dass gerade einmal 10% ihrer Bräute wirklich vor dem Spiegel stehen und beim Anblick ihres Spiegelbilds weinen müssen. Also ihr lieben brides to be: NO PRESSURE!

Übrigens war meine zweite Anprobe nicht weniger frustrierend und brachte jede Menge Verzweiflung mit sich. Warum das Kleid, das ich am Ende trug, nicht mein Kleid war, erfahrt ihr im nächsten Post. 😉 Jetzt aber endlich ein paar Impressionen, nach denen mich schon so viele auf Instagram gefragt haben!

GETTING READY

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Photography: Marina Scholze | Dress: Anna Kara JOY | Hair & Make-Up: Hair Divine | Flowers: Die Individuellen

 

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2 Comments

  1. Christina Czok
    January 27, 2018 / 8:33 PM

    Ach je, mein wunderschönes Kind 😍und das Kleid wär letztendlich wie für dich gemacht😘

  2. Janne
    February 13, 2018 / 12:56 PM

    Hallihallo,
    ich bin gerade während ich vor meiner nächsten Brautkleidanprobe heute Nachmittag mal wieder auf Pinterest berieseln ließ, auf einen Blogpost gestoßen. Zwei Termine und zahlreiche Kleider am Körper habe ich bereits hinter mir – und nichts hat mich umgehauen. Einen Aha-Heul-Glücksgefühl-Moment habe ich schon gar nicht so sehr erwartet, nur fand ich bisher einfach, dass mir nichts so richtig toll stand. Ich musste durchweg während des Lesens schmunzeln und nicken, da ich bei vielen Kleidern vorm Spiegel stand und dachte: Jup, ist ein verdammt schönes Kleid, fühlt sich gut an. Das nächste bitte! Die Erwartungen von außen sind immens, trotzdem ich allen vorher immer wieder vorgebetet habe, doch bitte kein großes Happening daraus zu machen. Nun fahr ich heute entspannt nachmittags auf einem Dienstag alleine dorthin und lass mich mal ohne Erwartungsdruck in die Kleider stecken.

    Übrigens finde ich deine schlussendliche Kleidwahl wunderschön!

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